Begleitung bis zum Lebensende - Ein Lehrgang mit Tradition



von Wolfgang Flohre

„Ich hätte nicht geglaubt, dass ich einmal mit anderen Menschen so intensiv über Sterben, Tod und Trauer sprechen würde!“ Dieses Fazit einer Lehrgangsteilnehmerin am Ende eines Kurses, von vielen anderen bestätigt, macht mit einfachen Worten deutlich, worum es geht: Im Austausch mit anderen den eigenen Zugang zu Sterben, Tod und der eigenen Trauer zu finden und so wieder auf andere zugehen zu können.

Nach der Gründung des Hospiz-Vereins war es den Verantwortlichen schnell klar, dass wir für die Begleitung von Schwerstkranken Männer und Frauen brauchen, die dafür auch ausgebildet sind. Wir haben uns damals dafür entschieden, eine eigene Weiterbildung anzubieten. Ein Konzept wurde mit der Familienbildungsstätte zusammen entwickelt, Referentinnen und Referenten gewonnen und in verschiedenen Veranstaltungen für diese Weiterbildung geworben. Die Folge: Fast 30 Frauen und Männer meldeten sich an. Da aber immer nur 15 Personen an einem Kurs teilnehmen sollten, starteten wir also fast parallel mit zwei Kursen im September und November 1996. Heute nach dem gerade beendeten Kurs haben bisher 300 Frauen und Männer an insgesamt 20 dieser Kurse teilgenommen.

Natürlich hatten wir am Anfang nur die aktiven Vereinsmitglieder im Blick. Alle, die sich aktiv beteiligen wollten, ob als Begleiterinnen und Begleiter, im Vorstand oder Beirat oder in der Öffentlichkeitsarbeit, sollten die gleiche Grundlage haben. So trafen sich in den Kursen die „Profis“ (Ärzte, Krankenschwestern/pfleger, Pfarrer) mit anderen Männern und Frauen, die vorsichtig auf dieses Thema zugehen wollten. Im Kurs wurde dann deutlich, dass oft gerade diese Mischung allen geholfen hat. Tod und Sterben wird im Leben meistens ausgeklammert. Es gehört aber zum Leben dazu, und das muss oft erst wieder gelernt werden.

Im Laufe der Jahre haben sich viele Teilnehmende entschieden, als Begleiterinnen und Begleiter im Verein aktiv zu sein. Anderen ist im Kurs deutlich geworden, dass sie zurückliegende noch nicht abgeschlossene Trauererfahrungen weiter verarbeiten müssen. Eine große Gruppe von Teilnehmenden hat aber auch immer diese Kurse genutzt, um beruflich oder privat einen besseren Zugang zum eigenen Umgang mit Sterben und Tod zu bekommen. Wir sehen auch darin ein wichtiges Ziel des Hospiz-Vereins.

Was passiert nun eigentlich im Kurs? Wir wollen Mut machen zum Nachdenken über die eigene Endlichkeit, über den eigenen Umgang mit Sterben, Tod und Trauer, und wir wollen Mut machen, sich auf Sterbende einzulassen. Deshalb haben wir an den verschiedenen Abenden (insgesamt 10 Abende und ein Wochenende) Referentinnen und Referenten eingeladen, die aus ihren Erfahrungen berichten und mit den Teilnehmenden zusammen Wege erarbeiten. Da geht es zum Beispiel um die Frage, „was eigentlich Sterben ist“. An einem anderen Abend geht es um „Schmerzen und Schmerztherapie“. Auch „die Grundbegriffe der Pflege“, ein praktischer Abend, gehört dazu. „Der Umgang mit Trauernden“ und „der Umgang mit der eigenen Sterblichkeit“ sind weitere Themen. „Was Sterbende brauchen“ und „die Begleitung Sterbender“ werden ebenfalls an zwei Abenden erörtert. Schließlich geht es noch um das Thema „Lebensverlängerung – Leidensverlängerung – Gedanken zur Patientenverfügung“. Am Wochenende gibt es eine Einführung in „die Klientenzentrierte Gesprächsführung“.

Eine Kursleiterin begleitet den gesamten Kurs. Sie bildet praktisch die Klammer zwischen den einzelnen Abenden mit den unterschiedlichen Themen und Leitungen. Sie hat dabei die Gruppe als Ganzes und die einzelnen Teilnehmer/innen im Blick. Zum Ritual gehören z.B. eine Anfangsrunde (jeder sagt kurz, was er Belastendes oder Schönes vom Tag und vom letzten Kursabend mitbringt) und eine Blitzlichtrunde am Ende (hier sagt jeder kurz, was der Abend ausgelöst hat). Die Teilnehmenden lernen so, sich selbst mit ihren Gefühlen und Gedanken im Blick zu haben. Das ist eine wichtige Vorraussetzung, wenn ich jemand anderen begleiten will. Am letzten Abend zieht jeder innerhalb der Gruppe sein persönliches Fazit. Gemeinsam wird überlegt, welche Schritte als nächste notwendig sind. Einige der Teilnehmenden entscheiden sich dann auch, im Verein als Begleiterin oder Begleiter aktiv zu werden.

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