Interview zum Hospizcafé für Trauernde

Adelheid Wind

Hin und wieder begegnet mir der Begriff „Trauercafe“. Was ist das eigentlich?

Ein offener Treffpunkt für Trauernde, die Gleichgesinnte suchen.

Seit wann und wo gibt es diese Möglichkeit in Ibbenbüren?

Seit Januar 2009. An jedem 2. Sonntag im Monat zwischen 15.00 und 17.00 Uhr treffen wir uns in der Alten Honigfabrik, heute FABI, Klosterstraße 21. Wir, das sind ehrenamtliche MitarbeiterInnen, die sich durch Begleiterschulungen oder auch konkret durch eine Trauerbegleiterausbildung auf diese Aufgabe vorbereitet haben und sich auf Sie freuen.

Und für wen gilt das Angebot?

Für alle Trauernden unabhängig von ihrer Konfession und Nationalität, und ob der Tod eines lieben Menschen kürzlich oder schon vor langer Zeit zu beklagen ist.

Viele haben doch auch Verwandte oder Freunde in ihrer Umgebung. Warum werden die nicht als Ansprechpartner genutzt?

Die meisten im Verwandten- und Freundeskreis oder Nachbarn meinen, nach einer gewissen Zeit (ca. 6 Wochen bis 3 Monate) müsse wieder Normalität eintreten, so nach dem Motto: Die Zeit heilt doch alle Wunden und nun ist genug!
Ich sage aber: Die Zeit lehrt uns, mit dem Unbegreiflichen umzugehen.

Wenn ich jetzt Ihr Angebot annehmen möchte, was muss ich konkret machen?

Einfach nur kommen!

Wie sieht so ein gemeinsamer Nachmittag aus?

Je nach Jahreszeit laden ansprechend gedeckte Tische zum Gespräch ein bei Kaffee/Tee und Kuchen oder Plätzchen. Vor jedem Gedeck steht ein Teelicht. Nach meiner Begrüßung bitte ich darum, dass jeder die Kerze an seinem Platz anzündet und - wenn er mag – stellt er sich vor und erzählt, für wen er dieses Licht angezündet hat. Dadurch ist der Verstorbene symbolisch anwesend, wenn von ihm gesprochen wird. Die anschließend geführten Gespräche finden dann in Zweiergruppen oder auch mit allen Anwesenden statt. Das ist vorab natürlich nicht planbar. Uns geht es darum, dass jeder so sein kann, wie er sich gerade fühlt, und wir ihm Raum geben für seine Empfindungen. Aber es darf bei uns auch gelacht werden, was für viele Betroffene eigentlich nicht mehr in ihren Alltag gehört. Wenn es möglich ist, beenden wir die gemeinsame Zeit mit einem uns stärkenden Abschluss, der Kraft geben soll für das, was uns anschließend wieder erwartet.

Gibt es auch eine Möglichkeit zum Einzelgespräch in diesem Rahmen?

Ja! Es besteht entweder die Möglichkeit, in einen anderen Raum zu gehen, oder im Anschluss einen späteren Termin für ein Einzelgespräch auszumachen.

Gerade geht mir so durch den Kopf, dass mit Sicherheit ganz persönliche Dinge angesprochen werden. Wie ist es mit der Vertraulichkeit?

Bei meiner Begrüßung weise ich zunächst auf die Vertraulichkeit, auch von Seiten der Teilnehmer hin, weil in so einer geschützten Atmosphäre das Sprechen leichter fällt.

Bei meinen eigenen Erfahrungen mit Trauernden habe ich festgestellt, dass es oft schwierig ist, sie aus ihrer selbst gewählten Isolierung herauszuholen. Könnte ich auch als Begleitung eines mir wichtigen Menschen teilnehmen oder wäre ich dann eher ein Störfaktor?

Jeder ist eingeladen, wenn es zum Wohle des Trauernden dient.

Danke, Frau Windt, für Ihr aufschlussreiches Gespräch.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie und alle weiteren Mitarbeitenden mit viel Freude, Kraft und Einfühlungsvermögen diese ehrenamtliche Arbeit fortführen.

Mir ist klar geworden, wie wichtig diese Gesprächsmöglichkeiten sind und dass ich Trauernden Mut machen werde, ein Trauercafe aufzusuchen.

(Dieses Gespräch führte Ulrike Waldmeyer mit Adelheid Windt, Trauerbegleiterin des Hospiz Ibbenbüren.)

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