Schmerzen und ihre Therapie
von Monika Mersch
Der Schwerkranke und Sterbende hat nach allem, was wir bis heute wissen, insbesondere den Wunsch, nicht allein gelassen zu werden und nicht unter Schmerzen und anderen körperlichen Beschwerden leiden zu müssen. Der Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlsempfinden, das mit einer aktuellen oder einer Gewebeschädigung verknüpft ist. Schmerz muss nicht unbedingt eine organische Ursache haben. Angst, Schlaflosigkeit, Trauer, Depressionen, Vereinsamung, Hilfsbedürftigkeit, Sorgen und Langeweile können den Schmerz auslösen oder verstärken. Zuerst ist der Schmerz ein Warnsignal, um uns vor schweren Schädigungen zu schützen, z.B. bei Verbrennungen ziehen wir uns reflexartig aus der Gefahrenzone.
Schmerzintensität, Beschreibung ob dumpf oder spitz, ob überall oder auf ein Organ beschränkt, kann man beim Patienten erfragen. Dafür kann man eine Schmerzskala von 1-10 zugrunde legen um herauszufinden, wie stark die Schmerzen sind. 50-80% der Krebskranken leiden unter Schmerzen. Heute kann man eine Schmerzfreiheit von bis zu 90% erzielen. Ziel der Schmerzbehandlung ist die Schmerzfreiheit, ohne eine Wachheit und die Fähigkeit des Patienten zur sozialen Kontaktfähigkeit zu beeinträchtigen. Zusätzlich zu den verschiedenen Schmerzmitteln ist es manchmal notwendig, weitere Mittel zum Einsatz zu bringen, z.B. gegen Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Durchfall, Depressionen, bei Entzündungen und Hirndruck sowie Kapselschmerz bei der Leber und der Milz.
Grundregeln der Schmerztherapie sind:
- regelmäßige Einnahme der Medikamente nach festem Zeitplan, um Schmerzspitzen zu verhindern;
- die angepasste Dosis für den jeweiligen Kranken;
- sowie eine kontrollierte Dosisanpassung durch Neubewertung der Schmerzintensität.
Die Verabreichung der Medikamente in Tabletten-, Tropfen-, Zäpfchen- oder Pflasterform hebt die Lebensqualität. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass immer noch Angst vor Morphinen besteht. Die Schmerztherapie ist eine ärztliche Aufgabe, bei der über das "Wie" und "Warum" aufgeklärt wird. Um eine gute Schmerztherapie zu erreichen, sollte der Patient ein Schmerztagebuch schreiben. Je mehr Schmerzen der Patient hat, desto mehr Schmerzmittel kann er vertragen. Der Hausarzt sollte eine Bedarfsmedikation für den Notfall erstellen. Durch eine gute Schmerztherapie erlangt der Patient eine gute Lebensqualität.
Im ambulanten Hospizdienst fällt die teilweise Verunsicherung bei der Gabe von Opiaten durch die Hausärzte auf. Patienten werden kurz vor ihrem Tod noch in ein Krankenhaus eingewiesen, weil sie zu starke Schmerzen haben oder Angehörige überlastet sind.
Im stationären Hospiz, sowie auf den Palliativstationen sind ausgebildete Ärzte, Pflegepersonen, Seelsorger, Physiotherapeuten sowie Sozialarbeiter, die durch interdisziplinäre Teambesprechungen gut miteinander kooperieren. Die Patienten der Palliativstationen werden dort auf Schmerzen und Symptomkontrolle behandelt. Ziel ist es, krankheits- und therapiebedingte Beschwerden zu lindern, und wenn möglich, die Krankheits- und Betreuungssituation so zu stabilisieren, dass sie entlassen werden können. Die Patienten gehen dann nach Hause, in Pflegeheime oder ins stationäre Hospiz zurück. Ein guter Überleitungsbogen oder eine telefonische Übergabe ist wichtig für die Menschen, die den Patienten weiter betreuen. Der Patient kann somit seine letzte Lebenszeit in seiner gewohnten Umgebung verbringen.
